Für den Unterricht: Wie eine KI lernt, gibt es als Foliensatz für die Klassen 4 bis 8, mit einer Mini-KI zum Selbsttrainieren. Wie lernt eine KI? →
Auf riemer.it stand lange nur „Hier entsteht eine Präsenz“. Die Domain war privat, ich hatte keine Lust auf einen Baukasten, und die Frage war ehrlich gesagt eine ganz andere: Leite ich die Domain einfach um, oder baue ich hier etwas Eigenes?
Ich habe die Frage einer KI gestellt, Claude von Anthropic. Zwei Tage später stand diese Website: Design, Sicherheit, Vorlagen, Musik-Player, Suche und zwei Unterrichtseinheiten. Den Code hat die KI geschrieben. Ich habe entschieden, widersprochen, freigegeben und geprüft.
Offenlegung: riemer.it entsteht in Zusammenarbeit mit KI. Das gilt für Design, Technik und Texte, auch für diesen hier. Bevor etwas online geht, prüfe ich es sachlich. Verantwortlich bin ich.
Wie die KI auf die Seite kam
Die KI hat in WordPress einen eigenen Benutzer bekommen, mit einem sogenannten Anwendungspasswort. Damit kann sie über die Programmierschnittstelle von WordPress Seiten anlegen, Vorlagen bauen und Einstellungen ändern, ohne sich im Browser anzumelden. Alles, was sie tut, ist in WordPress nachvollziehbar, und neue Beiträge legt sie als Entwurf an. Veröffentlichen tue ich.
Fünf Dinge, die ich über die Zusammenarbeit gelernt habe
1. Sag, was dir wichtig ist, nicht nur, was du willst
„Bau mir eine Website“ führt zu irgendeiner Website. Besser funktionieren Grundsätze, an denen die KI jede einzelne Entscheidung messen kann: keine Daten an Dritte, nichts von Google, die Seite duzt, offen lesbar für Suchmaschinen und KI, dunkles Design. Seitdem prüft sie jede Änderung daran, auch Dinge, an die ich gar nicht gedacht hatte. Als ein Artikel Schriften von Google nachladen wollte, hat sie das selbst gefunden und entfernt.
2. Zeig, statt zu beschreiben
Am Anfang hat sich die KI ein eigenes Logo und Bernstein als Hauptfarbe ausgedacht. Hübsch, aber falsch: Mein Logo gab es längst, es liegt auf der Anmeldeseite meiner Nextcloud. Ein Link dorthin hat gereicht. Die KI hat das Logo geladen, die Farben Navy und Pink daraus abgelesen und die ganze Seite umgestellt. Genauso mit der Kopfzeile: Ein Screenshot mit unruhigen Zeilenumbrüchen war deutlicher als jede Beschreibung.
3. Widersprich
Die erste Version war „mathematisch angehaucht“, mit Mathematik als Thema im Untertitel. Ich liebe Mathematik, aber ich werde hier nie darüber schreiben. Mein Respekt davor ist zu groß, um Halbwissen zu verbreiten. Also flog sie als Thema raus. Geblieben sind die Symbole als Stilmittel: ∑ für Smart Home, ∇ für KI, ∀ für Sicherheit. Eine KI nimmt Widerspruch nicht übel. Sie braucht ihn.
4. Lass dir Entwürfe zeigen und gib selbst frei
Bevor es in WordPress ging, hat die KI eine Designvorschau gebaut. Jeder neue Beitrag landet als Entwurf. Das kostet ein paar Minuten und verhindert, dass etwas online geht, das ich nicht gesehen habe.
5. Lass prüfen, und prüf selbst
Die KI testet ihre Arbeit mit einem echten Browser: Sie klickt durch die Seiten, macht Screenshots und liest Fehlermeldungen. Trotzdem ist ihr ein Fehler durchgerutscht. WordPress verwandelt beim Ausgeben das Zeichen & in &. In normalem Text merkt das niemand, aber in den Skripten der interaktiven Beiträge war plötzlich alles kaputt. Ihre Vorschau hatte den Inhalt ohne diesen WordPress-Filter getestet. Aufgefallen ist es erst beim Test auf der echten Seite. Seitdem liegen alle Skripte an einer eigenen Stelle, wo WordPress sie nicht anfasst.
Als die KI sich selbst ausgesperrt hat
Mein Lieblingsmoment: Ich wollte als Erstes alles für die Sicherheit. Die KI installierte das Sicherheits-Plugin Wordfence. Das schaltet in der Grundeinstellung Anwendungspasswörter ab, also genau den Schlüssel, mit dem die KI arbeitet. Tür zu, KI draußen. Ich musste sie wieder reinlassen und habe sie dabei ein Entenküken genannt, das nichts allein kann. Ganz falsch war das nicht.
Eine KI kennt die Folgen ihrer Schritte nicht immer. Wer ihr Zugriff gibt, sollte jederzeit eingreifen können und den Zugang am Ende wieder entziehen.
Warum kann eine KI das überhaupt?
Ein Sprachmodell wie Claude lernt in zwei großen Schritten. Zuerst liest es eine unvorstellbare Menge Text: Bücher, Webseiten, Lexika und sehr viel Programmcode. Dabei übt es immer dieselbe Aufgabe: das nächste Wort vorherzusagen.
P(nächstes Wort | alles davor)
Wer diese Aufgabe gut lösen will, muss eine Menge über die Welt lernen: Grammatik, Fakten, wie Programme aufgebaut sind, wie eine Website aussieht. Niemand hat der KI WordPress erklärt. Sie hat tausende Anleitungen, Diskussionen und Codebeispiele gelesen, die Menschen geschrieben haben.
Danach kommt der Feinschliff. Menschen bewerten Antworten des Modells, welche hilfreich, ehrlich und sicher ist. Dazu kommen Regeln und Werte, die das Unternehmen dahinter festlegt. So lernt das Modell, nicht einfach irgendeinen Text fortzusetzen, sondern zu helfen.
Und dann gibt es noch die Werkzeuge. Eine KI wie die, mit der ich gearbeitet habe, kann Programme ausführen, Webseiten aufrufen und Screenshots machen. Erst dadurch wird aus „weiß, wie es geht“ ein „macht es auch“.
Was die KI nicht kann
- Sie weiß nicht, was mir wichtig ist, solange ich es nicht sage.
- Sie kann sich irren und klingt dabei genauso sicher wie sonst.
- Sie merkt sich nichts über das Gespräch hinaus. Was dauerhaft gelten soll, muss aufgeschrieben werden. Deshalb gibt es inzwischen eine Datei mit den Regeln dieser Website.
- Sie übernimmt keine Verantwortung. Das bleibt meine Aufgabe.
Eine KI ist wie ein sehr fleißiges, sehr belesenes Team, das jede Anweisung wörtlich nimmt. Je klarer die Ziele, je ehrlicher das Feedback und je genauer die Prüfung, desto besser das Ergebnis.
Wie eine KI lernt, habe ich übrigens auch für Kinder aufbereitet, mit einer Mini-KI, die eine Schulklasse selbst trainieren kann: Wie lernt eine KI?
