Für den Unterricht: Es gibt eine Version für Kinder der Klassen 4 bis 8, mit Präsentationsmodus fürs Smartboard. Bitcoin für Kinder →
Neulich habe ich Claude gefragt, ob es für mich Bitcoin minen kann. Die Antwort war ein klares Nein. Dafür kam ein besseres Angebot: Lass uns verstehen, wie Mining funktioniert und ob es sich überhaupt rechnet. Daraus ist diese Werkstatt entstanden, mit drei Stationen zum Ausprobieren und einem Rechner.
Ein Kassenbuch ohne Kassenwart
Bitcoin ist im Kern ein Kassenbuch, das tausende Rechner weltweit gleichzeitig führen. Es gibt keine Bank, die entscheidet, welche Buchung gilt. Das wirft eine einfache Frage auf: Wer darf die nächste Seite schreiben, und warum sollten alle anderen ihm glauben?
Die Antwort heißt Proof-of-Work. Wer die nächste Seite, also den nächsten Block, anhängen will, muss ein Rätsel lösen. Dieses Rätsel lässt sich nur durch massenhaftes Ausprobieren knacken. Das Ergebnis kann aber jeder in Sekundenbruchteilen prüfen. Wer gewinnt, schreibt den Block und bekommt dafür neu geschaffene Bitcoin plus die Gebühren der enthaltenen Überweisungen. Das ist Mining.
Das Halving hält die Menge knapp
Alle 210.000 Blöcke, also etwa alle vier Jahre, halbiert sich die Blockbelohnung. Am Anfang gab es 50 BTC pro Block, heute 3,125. Das nächste Halving wird für Frühjahr 2028 erwartet. Für Miner heißt das: Bei gleichem Kurs halbiert sich über Nacht ihr Ertrag.
Die Schwierigkeit läuft mit
Kommen neue Miner dazu, würden Blöcke schneller gefunden. Deshalb schraubt das Netzwerk die Schwierigkeit regelmäßig nach. Mehr Rechenleistung im Netz macht also nicht Bitcoin schneller, sondern jeden einzelnen Miner ärmer. Dein Anteil am Kuchen hängt allein davon ab, wie viel du im Verhältnis zu allen anderen rechnest.
Vom Laptop zur Halle
Der Fingerabdruck
Alles beginnt mit einer Hash-Funktion. Sie macht aus beliebigem Text einen Fingerabdruck fester Länge. Bitcoin nutzt SHA-256, und zwar zweimal hintereinander. Gleicher Input ergibt immer den gleichen Hash. Schon ein geändertes Zeichen ergibt einen völlig anderen.
Mach aus der 0,5 eine 0,6. Vom alten Hash bleibt nichts übrig. Rückwärts rechnen geht nicht, man kann nur ausprobieren.
Die Suche nach der Nonce
Genau dieses Ausprobieren ist Mining. Ein Block enthält neben den Überweisungen ein Zählerfeld, die Nonce. Der Miner erhöht sie, hasht neu und prüft, ob das Ergebnis unter einem Zielwert liegt. Vereinfacht: Der Hash muss mit genug Nullen beginnen.
Jede weitere Null in Hex-Schreibweise macht die Suche im Schnitt 16-mal länger. Das Prüfen bleibt immer gleich billig: ein einziger Hash. Diese Asymmetrie ist der ganze Trick.
Starte die Suche. Ab Stufe 6 brauchst du etwas Geduld.
Die Kette
Jeder Block enthält den Hash seines Vorgängers. Ändert jemand einen alten Block, ändert sich dessen Hash. Dann stimmt der Verweis im nächsten Block nicht mehr, und alles danach ist ungültig.
Probier es aus: Schreib in Block 1 eine andere Summe. Mine Block 1 danach neu und schau, was mit Block 2 passiert.
Schwierigkeit in dieser Kette: drei Hex-Nullen, im Schnitt 4.096 Versuche pro Block.
Ein Fälscher müsste also jeden Block nach seiner Änderung neu minen, und zwar schneller, als das restliche Netzwerk neue anhängt. Dafür bräuchte er mehr als die Hälfte der gesamten Rechenleistung. Deshalb ist die Kette sicher, solange niemand diese Mehrheit hat.
Lohnt sich Mining für dich?
Jetzt wird es konkret. Wähle ein Gerät oder trag eigene Werte ein. Der Rechner zeigt Ertrag, Stromkosten und wann sich die Anschaffung bezahlt macht, falls überhaupt. Die Netzwerk-Hashrate wächst dabei monatlich weiter, und das Halving 2028 ist einberechnet.
Modellrechnung mit konstantem Kurs. Nicht eingerechnet sind Kühlung, Lärmschutz, Steuern, Ausfälle und der Restwert der Hardware. Keine Anlageberatung.
In Station 2 schafft dein Browser gemessen (erst Station 2 starten). Allein damit würdest du statistisch einen Block finden nach etwa
Überschlag: Netz-Hashrate × 600 s ÷ deine Hashrate. Das Universum ist rund 1,4 × 10¹⁰ Jahre alt.
Was ich daraus mitnehme
- Proof-of-Work schafft Sicherheit durch Kosten. Fälschen ist nicht verboten, es ist nur unbezahlbar.
- Die Kette ist das Sicherheitsmerkmal. Ein einzelner Block wäre leicht zu fälschen, hunderttausende verkettete nicht.
- Ob Mining sich lohnt, entscheidet fast nur der Strompreis. Mit deutschem Haushaltsstrom ist selbst die beste Hardware ein Zuschussgeschäft.
- Wer in fremder Rechenleistung schürft, betreibt Cryptojacking. Ungewöhnliche Dauerlast auf Servern und Cloud-Instanzen gehört deshalb ins Monitoring.
- Und Claude war ehrlich genug, Nein zu sagen, und hilfreich genug, mir etwas Besseres anzubieten.
Vereinfachung in den Stationen: Hier wird Text gehasht. Echte Block-Header sind 80 Byte binär (Version, Vorgänger-Hash, Merkle-Root, Zeitstempel, Zielwert, Nonce), und das Ziel ist eine Zahl statt einer Anzahl Nullen. Alles läuft lokal in deinem Browser, nichts wird gesendet.
